Olympiastützpunkt NRW/Rheinland

Medaillenschmiede Olympiastützpunkt NRW/Rheinland

Medaillenschmiede Olympiastützpunkt NRW/Rheinland (Bild: Picture Alliance)

614 teilnehmende Sportlerinnen und Sportler an den zurückliegenden neun Olympischen und Paralympischen Spielen (1992 bis 2024), die insgesamt 82 Gold-, 60 Silber- und 89 Bronzemedaillen gewannen: Der Olympiastützpunkt (OSP) NRW/Rheinland mit Sitz in Köln ist hinsichtlich der Repräsentanz bei den Multisportevents und der dabei verzeichneten Erfolge schon jetzt einer der erfolgreichsten Standorte in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa. Die Durchschnittswerte sind ebenfalls bemerkenswert: Im Mittel stellte der OSP bei jeder Auflage 68 Aktive, verzeichnete 26 Podestplätze und neun Olympia- bzw. Paralympicssiege.

Man kann erahnen, welchen (positiven) Einfluss es auf diese Bilanz hätte, wenn die Großereignisse auch noch im eigenen Land stattfinden würden … Schließlich zeigten u. a. die Sportlerinnen und Sportler aus England und aus Frankreich, wie sehr es zusätzlich beflügeln kann, wenn das gesamte Publikum in der Halle oder im Stadion einen anfeuert, Familie, Freundinnen und Freunde auf der Tribüne sitzen und ein Großteil der Bevölkerung am TV- oder PC-Bildschirm mitfiebert.

Große Sportartenvielfalt

Neben den absoluten Zahlen und den Durchschnittswerten belegt auch die Anzahl an Sportarten, in denen Athletinnen und Athleten des Olympiastützpunktes NRW/Rheinland in den vergangenen 18 Jahren erfolgreich waren, die gute Arbeit aller Beteiligten. Insgesamt durften seit 2008 Aktive aus 17 Sportarten bei den Olympischen Spielen und Aktive aus acht Sportarten bei den Paralympischen Spielen einen Medaillengewinn bejubeln.

LSB-Präsident Stefan Klett betont: „Das vielfältige und anspruchsvolle Aufgabenprofil am Olympiastützpunkt Rheinland beschränkt sich längst nicht mehr auf die herausragende persönliche Betreuung der mittlerweile über 500 Kaderathletinnen und Kaderathleten. Als etablierter Dienstleister für den Spitzensport hat das Expertenteam vor allem zahlreiche effiziente Netzwerke geschaffen, die in der Zusammenarbeit nur ein Ziel kennen: Den Aktiven mit ihren unterschiedlichsten Bedürfnissen langfristig das Abrufen optimaler Leistung zu ermöglichen – unter Einbindung aller relevanten Akteure wie Verbände, Vereine sowie Trainer und Trainerinnen, aber auch Hochschulen, Kliniken, Kommunen, Medien, Wirtschaft oder Sponsoren. Diese professionellen Kompetenzen und Kapazitäten bilden das Fundament für Erfolge im Sportland NRW und sichern eine internationale Konkurrenzfähigkeit.“

Dabei präsentieren sich traditionell Athletinnen und Athleten aus den Sportarten Fechten, Hockey, Judo, Kanurennsport und Para Leichtathletik besonders stark. So gewannen z. B. die vom OSP NRW/Rheinland betreuten Hockeyasse seit Peking 2008 bei allen Olympischen Spielen eine Medaille, nur mit Ausnahme des Events 2021 in Tokio. Im Judo standen Athletinnen und/oder Athleten aus Köln sogar bei jeder Austragung des prestigeträchtigen Events seit 2008 auf dem Podest. Die Fechterinnen und Fechter aus dem Rheinland waren derweil in den Jahren 2008 und 2012 besonders erfolgreich.

Gute Erinnerungen

Ob physiotherapeutische Betreuung, sportwissenschaftliche Begleitung, sportpsychologische Betreuung oder Reha- und Stabilisationstraining: Laura Vargas Koch, die von 2014 bis 2020 dem OSP NRW/Rheinland als Leistungssportlerin angehörte, nahm in dieser Zeit nahezu alle Angebote des OSP, die unmittelbar der Optimierung der sportlichen Leistung dienten, wahr. Dabei waren es in all den Jahren zumeist dieselben Personen, welche die gebürtige Berlinerin betreuten. „Oliver Heine z. B., der mich sportwissenschaftlich begleitet hat, und die Physiotherapeutinnen und -therapeuten habe ich immer wieder getroffen“, blickt die Olympiadritte von 2016 im Judo zurück.

Während ihrer Zeit am OSP NRW/Rheinland entstand jedoch nicht allein zu den Mitarbeitenden, mit denen sie regelmäßig Kontakt hatte, eine besondere Bindung, sondern auch zu den anderen Aktiven, die in Köln betreut wurden. „In Rio habe ich mit den Sportlerinnen und Sportlern, die ich besser kannte, noch mehr mitgefiert. Einige Hockeyspieler habe ich z. B. beim Rehatraining mit Anja Löhr kennengelernt und mich daher besonders mit ihnen über ihre Medaille gefreut“, erzählt Laura Vargas Koch.

Ihrer Sportart bzw. dem Leistungssport allgemein ist die heute 36-Jährige, die seit 2025 als Professorin für Algorithmische Spieltheorie und Diskrete Mathematik an der RWTH Aachen tätig ist, treu geblieben – nur in anderer Form: Im Hochschulsportzentrum der RWTH gibt sie seit kurzer Zeit als Judotrainerin ihr Wissen an die Studierenden weiter, außerdem setzt sie sich für die Vereinbarkeit von Studium und Leistungssport ein.

Medaillengewinne bei mehreren Olympischen Spielen

Mehreren Athletinnen und Athleten des OSP NRW/Rheinland gelang es bei Olympischen Spielen sogar, schon mehr als eine Medaille zu gewinnen. Während die Hockeyspieler Benjamin Weß, Christopher Rühr, Christopher Zeller, Mats Grambusch, Max Weinhold, Niklas Wellen, Oskar Deecke, Philipp Zeller, Timo Weß und Tom Grambusch ebenso wie Britta Heidemann und Benjamin Kleibrink im Fechten, Max Hoff und Max Rendschmidt im Kanurennsport sowie Ole Bischof im Judo jeweils bei zwei Olympischen Spielen Edelmetall holten, gewannen Anna-Maria Wagner und Eduard Trippel (beide ebenfalls Judo) bei denselben Olympischen Spielen zwei Medaillen.

Aber auch im Bahnradsport (Mieke Kröger als Olympiasiegerin 2021 in Tokio), Beachvolleyball (Julius Brink/Jonas Reckermann als Olympiasieger 2016 in Rio de Janeiro), im Boxen, im Fußball, im Handball, im Triathlon (Lasse Lührs als Olympiasieger 2024 in Paris), in der Leichtathletik (z. B. Björn Otto als Olympiazweiter 2012 in London), im Modernen Fünfkampf (Lena Schöneborn als Olympiasiegerin 2008 in Peking), im Ringen (Aline Rotter-Focken als Olympiasiegerin 2021 in Tokio), im Rudern, im Taekwondo, im Turnen (u. a. Fabian Hambüchen als Olympiasieger 2016 in Rio de Janeiro) sowie im Wasserspringen holten schon Aktive, welche die Serviceleistungen des Olympiastützpunktes NRW/Rheinland in Anspruch nehmen, bei Olympischen bzw. Paralympischen Spielen Medaillen.

Markus Rehm viermal in Folge siegreich

Unter den paralympischen Sportarten sticht die Para Leichtathletik in besonderer Weise hervor: Seit 2008 gewannen bei allen Paralympischen Spielen mindestens fünf Athletinnen bzw. Athleten, die vom OSP NRW/Rheinland betreut wurden oder noch werden, eine Medaille. Dabei kürte sich bei allen fünf Austragungen des Multisportevents mindestens eine Sportlerin bzw. ein Sportler zur Paralympicssiegerin bzw. zum Paralympicssieger. Herausragend verliefen für die Para Leichtathletinnen und Leichtathleten aus dem Rheinland die Paralympics 2016 in Rio de Janeiro: Zehn Personen gewannen seinerzeit eine Medaille, acht von ihnen (mindestens) eine goldene.

Zu einem Weltstar hat es dabei Markus Rehm gebracht: Der 37-Jährige gewann bei vier Paralympischen Spielen in Folge Gold im Weitsprung und belegte zudem mit der 4 x 100-m-Staffel 2016 in Rio de Janeiro Platz eins. Mehr als 15 Jahre gehört der zehnmalige Weltmeister (achtmal im Weitsprung, zweimal mit der 4 x 100-m-Staffel) bereits dem OSP NRW/Rheinland an und hat dort, wie er sagt, alles zur Verfügung, was er braucht, um sportliche Leistungen auf höchstem Niveau zu erbringen. „Und wenn man mal besondere Bedürfnisse hat, stößt man immer auf ein offenes Ohr. Das ist eine tolle Ressource“, so Markus Rehm.

Viele Mitarbeitende des OSP begleiten den gebürtigen Baden-Württemberger bereits seit vielen Jahren. „Ralf Böhle z. B. und ich arbeiten schon super lange zusammen. Die biomechanischen Analysen, die er durchführt, sind seit vielen Jahren ein wichtiger Bestandteil in meinem Training. Es gibt nur wenige Menschen, mit denen ich so tief und gut fachsimpeln kann wie mit ihm. Gemeinsam haben wir uns auf das Level gebracht, auf dem wir heute sind“, zeigt sich Markus Rehm dankbar für die Unterstützung. Der Para Leichtathlet schätzt es sehr, wenn eine Zusammenarbeit langfristig erfolgt. Schließlich lässt sich so optimal auf den gesammelten Erfahrungen aufbauen. Das betrifft auch das Stabilisations-Training, das Markus Rehm seit ca. 15 Jahren zweimal wöchentlich bei Anja Löhr absolviert. „Wir drehen dabei immer wieder an kleinen Stellschrauben bzw. nehmen Übungen auf, die wir nicht von Anfang an in der Form gemacht haben, oder entwickeln neue Trainingsgeräte selbst“, so der Orthopädiemechaniker-Meister.

Auch das physiotherapeutische Angebot nimmt der 37-Jährige regelmäßig in Anspruch, ab und zu ergänzt um Osteopathie, welche der OSP NRW/Rheinland bei Bedarf ebenfalls ermöglicht. „Es ist schön zu wissen, dass es ein Gesamtkonstrukt gibt aus festen Ansprechpersonen und externen Personen, die man bei Bedarf ansprechen kann, z. B. Ärztinnen und Ärzte. Man merkt bei allen, dass sie mit Herzblut dahinterstehen. Es ist daher fast ein bisschen schade, dass man bei der Siegerehrung nicht all diese Menschen mit aufs Treppchen nehmen kann“, meint Markus Rehm.

Medaillengewinne in verschiedenen Sportarten

Auch zahlreiche andere Para Leichtathletinnen und Leichtathleten, die dem OSP NRW/Rheinland angehören, agierten in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten überragend. Irmgard Bensusan und Felix Streng durften ebenfalls bereits sechs Paralympicsmedaillen in Empfang nehmen, Heinrich Popow kommt auf fünfmal Edelmetall. Fünf Medaillen stehen auch für Annika Zeyen-Giles zu Buche, wobei sie es sogar schaffte, nicht allein in verschiedenen Disziplinen, sondern in unterschiedlichen Sportarten Medaillen zu gewinnen: Nachdem sie 2016 bei den Paralympics im Rollstuhlbasketball Silber geholt hatte, sicherte sie sich 2020 und 2024 jeweils im Radsport Edelmetall (darunter 2021 in Tokio Gold im Einzelzeitfahren).

Im Radsport waren seitens des OSP NRW/Rheinland darüber hinaus Kerstin Brachtendorf, Hans-Peter Durst und Andrea Eskau bei den Paralympischen Spielen 2008 bis 2021 sehr erfolgreich. Außerdem gewannen Athletinnen bzw. Athleten aus Köln bereits im Bahnradsport, im Reiten, im Schwimmen, im Sitzvolleyball und im Tischtennis bei dem prestigeträchtigen Großereignis Edelmetall.

Markus Rehms Trainings- und Wettkampfplan ist bereits klar auf die Paralympischen Spiele 2028 ausgerichtet. „Das merkt man jetzt schon, wenn es z. B. um die Planung von Trainingslagern geht. Denn es bleiben nicht viele Möglichkeiten, um etwa zu testen, wie man mit der Zeitverschiebung oder dem Klima in Los Angeles klarkommt“, erläutert der Weltrekordhalter im Weitsprung. Außerdem stehen die Weltmeisterschaften, bei denen es um die Qualifikation für das Multisportevent in den USA geht, bereits im Juni 2027 – und damit sehr früh im Jahr – an.

Wichtige Entscheidung am 26. September 2026

Während die Olympischen und die Paralympischen Spiele 2028 in Los Angeles bei vielen Sportlerinnen und Sportlern – und genauso beim Team des OSP NRW/Rheinland – bereits sehr „greifbar“ sind, verfolgen alle Beteiligten parallel mit großem Interesse den Prozess der Bewerbung Deutschlands um die Ausrichtung der Großereignisse in den Jahren 2036 oder 2040 oder 2044: Am 26. September 2026 wird im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Baden-Baden der Kandidat gewählt. Möglicherweise dürfen sich die Athletinnen und Athleten aus dem Rheinland dann noch mehr Hoffnungen auf Olympische und Paralympische Spiele im eigenen Land machen.

Ministerpräsident Hendrik Wüst: „Hinter jeder Medaille und jedem großen sportlichen Erfolg stehen außergewöhnliches Talent, großer Ehrgeiz und unzählige Stunden harter Arbeit – aber auch Menschen, die unsere Athletinnen und Athleten auf diesem Weg professionell begleiten und unterstützen. Genau dafür steht der Olympiastützpunkt Nordrhein-Westfalen mit seinen Standorten Rheinland, Rhein-Ruhr und Westfalen seit vielen Jahren. Die zahlreichen Erfolge bei Olympischen und Paralympischen Spielen sowie bei Welt- und Europameisterschaften sind ein beeindruckender Beleg für diese Arbeit. Als Sportland Nummer 1 wollen wir gemeinsam mit dem Bund weiterhin die bestmöglichen Bedingungen schaffen, damit unsere Athletinnen und Athleten ihre sportlichen Träume verwirklichen und Nordrhein-Westfalen auf der internationalen Bühne erfolgreich vertreten können.“

Quelle: Claudia Pauli
Bilder: Picture Alliance

 

 

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